Morbus Bechterew und Pferdesport - geht nicht, gibts nicht!

Morbus Bechterew und Pferdesport - geht nicht, gibts nicht!

«Das höchste Glück auf Erden liegt auf dem Rücken der Pferde», «Das Glück beginnt mit dem Fuss im Steigbügel» oder «Dass mir das Pferd das Liebste sei, sagst du oh Mensch, sei Sünde? Das Pferd blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde».

Seit der Mensch wohl begriffen hat, dass man mit Pferden wesentlich schneller von A nach B kommt, liebt er Pferde. Zumindest die meisten Menschen.

Für mich ist aber ein Zitat aus der Mongolei das wohl Passendste… Die Mongolen sagen, wer nicht mehr reiten kann, stirbt. In der Tat war dies für mich die grösste Sorge, als ich von meiner Diagnose erfuhr. Reiten war durch eine Freundin zu einem grossen Teil meines Lebens geworden. Ich wusste, ich konnte dies nicht aufgeben. Also entschloss ich mich, damit weiterzumachen, schliesslich hatte ich Ambitionen und Ziele.

Die Kritik an meiner Entscheidung war denkbar gross. Und vermutlich nicht ganz unberechtigt. Schliesslich beschäftigten auch mich Fragen. Was passiert, wenn ich stürze? Kann ich die Bewegungen des Pferdes überhaupt ertragen oder wird das dann zu schmerzhaft? Wie vermutlich viele Patienten bin ich sehr stossempfindlich und reagiere auch auf Erschütterungen relativ sensibel. Aber alles rätseln half nichts… Sattel drauf und ausprobieren!

Das erste Mal auf meiner liebsten Stute Quina war wie ein Befreiungsschlag für mich! Ich fühlte mich gut und stellte zu meiner grossen Freude auch fest, dass die Erschütterungen problemlos zu ertragen waren.

Bis heute versuche ich, die Emotionen zu beschreiben, die ich hatte, als ich das erste Mal nach der Diagnose im Sattel sass. Ich denke, es war das Gefühl von Freiheit. Die Freiheit zur Bewegung. Mich faszinierte die Stärke und Wendigkeit von Pferden schon immer, aber nun, da ich selbst so bewegungseingeschränkt bin, kam mir das wie ein kleines Wunder vor. Sie kann sich bewegen. Uneingeschränkt. Und sie liess mich daran teilhaben! Und tut es noch heute.

Für alle unter euch, die sich jetzt fragen, ob ich schon gefallen bin… Ja, mehrfach. Und abgesehen von einer minimalen Fraktur im Ellbogen ist auch nichts passiert. Zugegeben, Stürze sind zwar schmerzhaft, aber der Schmerz geht zum Glück meist vorbei.

Stürzen hat mich aber etwas sehr Wichtiges gelehrt. Wenn dich ein Pferd abwirft, läuft es erst davon, kommt dann aber wieder zurück zu dir. Was für treue Seelen, nicht wahr? Zum anderen aber lernt man, wieder aufzusteigen. Und zwar unmittelbar nach dem Sturz. «Du musst jetzt aufsteigen und weiterreiten! Fürs Gefühl!», sagte mir meine Reitlehrerin damals nach meinem ersten Sturz. Und wie recht sie damit hatte. Wenn du nach einem Sturz sofort wieder aufsteigst, verlierst du die Angst zu fallen. Dieser böse Gedanke, der dich bei jeder neuen Aufgabe oder vor jedem Hindernis erwartet, wird plötzlich berechenbar. Man kann zwar nie sagen, wann es passiert, aber man weiss genau, es ist nicht das Ende der Welt. Und geht es im Leben nicht auch darum, diese Angst zu verlieren?

Ich bin froh, dieses Risiko damals eingegangen zu sein, denn sonst würde mir heute ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens fehlen und ich hätte meine eigenen Grundsätze gebrochen. Nämlich eben genau das nicht zu tun, Nichts aufzugeben, was ich liebe. Und erst recht nicht sie.

Zu abgehärtet

Zu abgehärtet

Nicht so cool, aber immer in Bewegung

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